„Grundsätzlich unterscheidet man sekundäre von primären Kopfschmerzen“, erklärt der Münchener Spezialist Volker Pfaffenrath. Sekundäre Schmerzen sind die Folgen von Erkrankungen wie Grippe, Bluthochdruck, Entzündungen oder Krebs. Der primäre Kopfschmerz ist ein Sammelbegriff für Krankheiten, deren organische Ursachen Routineuntersuchungen nicht aufspüren.
Gerade Patienten, die unter Spannungskopfschmerz leiden, wird oft seelische Probleme oder Überforderung attestiert. Zu Unrecht: Vermutlich sorgt eine erniedrigte Schmerzschwelle, angeboren oder erworben, für den dröhnenden Kopf. Botenstoffe, die Schmerzen eindämmen, können nicht ausreichend wirken. Zunächst vereinzelt, später täglich macht sich im Schädel ein drückender und dumpfer Schmerz breit, der die Leistungsfähigkeit und das alltägliche Leben beeinträchtigt. Zwischen 30 Minuten und sieben Tagen am Stück kann er andauern. „Tatsächlich verstärken psychische Probleme, beruflicher Stress, familiäre oder finanzielle Sorgen oder ein verspannter Nacken diesen Vorgang“, so Pfaffenrath. Erst wenn nach die Anspannung wieder Ruhe eingekehrt ist, normalisiert sich auch der Botenstoffhaushalt im Kopf.
Über die Ursache von Cluster-Kopfschmerzen, die manche Patienten in Attacken bis zu achtmal am Tag heimsucht, sind sich die Mediziner nicht im Klaren. Eine Studie aus dem Jahr 2000 weist auf eine Störung des Hypothalamus hin. Dieser Teil des Gehirns reguliert die körpereigenen Rhythmen, darunter Hunger- und Durstgefühl, den Blutkreislauf, die Sexualität und die Körpertemperatur. Für diese Theorie sprechen Beobachtungen an Patienten. Der stechende Schmerz tritt meist im Herbst und Winter auf – bei vielen immer zur selben Tageszeit, insbesondere nachts. Dabei scheinen die Lichtverhältnisse eine entscheidende Rolle zu spielen. Sie haben einen direkten Einfluss auf unsere „innere Uhr“. So lösen auch Fernreisen, die den Tagesrhythmus durch Zeitverschiebungen durcheinander bringen, die unglaublich schmerzhaften Attacken aus.
Wer immer wieder unter starkem Kopfweh leidet, greift zu Schmerzmitteln. Manchmal mit verhängnisvollen Folgen: Patienten, die länger als zehn Tage im Monat die Pein im Kopf mit Medikamenten lindern, laufen Gefahr, einen Medikamentenkopfschmerz zu entwickeln. Jedes Schmerzmittel kann seinerseits Kopfschmerzen verursachen, wenn man es zu häufig einnimmt. Sobald die Wirkung nachlässt, treten dumpfe oder pulsierende Schmerzen auf, manchmal von Übelkeit begleitet. Aus Angst, den Alltag nicht mehr bewältigen zu können, schlucken einige Patienten jahrelang jeden Tag Schmerzmittel und riskieren so gravierende Nieren- und Leberschäden. Ärzte, die unbedacht und kritiklos immer wieder Rezepte ausstellen, fördern diese Abhängigkeit. Besondere Vorsicht ist bei Kombinationsmitteln angebracht: Von Präparaten, die neben dem Schmerzmittel auch muskelentspannende oder beruhigende Beimischungen enthalten (Kodein), raten Schmerzexperten ab. Sie helfen nicht besser, haben dafür aber mehr Nebenwirkungen und fördern die Sucht.